Klebstoffe für den Modell- und Landschaftsbau

Einige unerwartete Verhaltensweisen von Klebstoffen und die Frage, ob man wirklich so viele unterschiedliche Klebstoffe für den Modell- und Landschaftsbau benötigt, haben mich zu diesem Vergleichstest angeregt.

Es gibt Alleskleber, Holzleim, Sekundenkleber, Grasflockkleber, Schotterleim, Plastikkleber, Sprühkleber und viele mehr, die von diversen Herstellern als optimale Klebstoffe für den Modell- und Landschaftsbau empfohlen werden. Fragt sich, ob sie wirklich derart unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Besteht tatsächlich ein triftiger Grund, wirklich eine so große Auswahl an Klebstoffen zu besitzen?

Nachdem ich ungewünschte Eigenschaften bei einer Anwendung beobachtet habe, für die das Produkt eigentlich empfohlen wird, wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Also habe ich einen Praxis-Vergleichstest durchgeführt. Er umfasst verschiedene Klebstoffe und andere Produkte, die als Klebstoffe für den Modell- und Landschaftsbau in Frage kommen. Ich habe sie in einem Vergleich gegenüber gestellt.


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Einer der meist gebrauchten Vertreter im Modell- und Landschaftsbau ist sicherlich Holzleim, der klassische Vertreter davon ist hierzulande Ponal. Holzleim wird im englischen/amerikanischen Sprachgebrauch übrigens PVA genannt, die Abkürzung steht für PolyVinylAcetat-Leim. Weit verbreitet in der Anwendung sind auch Klebstoffe, die speziell für das Verkleben von „Plastik“, also verschiedenen Kunststoffen vorgesehen sind. Klassiker im Modellbau sind Plastikkleber von Kibri oder Faller, aber auch UHU hart und UHU por. Für heiklere Aufgaben und wenn’s sehr schnell gehen muss, ist oft auch Sekundenkleber, manchmal auch als Sekundenkleber mit Aktivator das Mittel der Wahl.

Getestete Eigenschaften der Klebstoffe für den Modell- und Landschaftsbau

In diesem Praxistest ging es mir um folgende Eigenschaften: Offenzeit, Oberflächenspannung, Oberflächenbeschaffenheit, Reaktion mit Kunststoffen und das Schrumpfungsverhalten. Die Offenzeit, also die Zeitdauer, während der das Produkt nicht abbindet, also noch „klebrig“ ist, variiert von wenigen Sekunden bis hin zu vielen Stunden, manche Produkte bleiben auch dauerhaft haftend.

Die Oberflächenspannung ist wichtig, wenn man das Produkt auf glatte, also nicht poröse Oberflächen wie Plastikteile oder Hartschaum auftragen möchte. Manche Produkte perlen auf der Oberfläche ab, andere verteilen sich hervorragend auch auf glänzenden Oberflächen.

Die Beschaffenheit der getrockneten Oberfläche ist recht unterschiedlich. Manche Produkte trocknen matt auf, andere glänzend, bei anderen bleibt die Pinselstruktur erkennbar oder sie erzeugen gewollt oder ungewollt eine eigene Oberflächentextur.

Bei der Verwendung eines Produktes in Kombination mit Kunststoffen ist manchmal eine Reaktion, also das Anlösen des Kunststoffs gewollt, wie bei Plastikklebern für den Modellbau. Will man jedoch Styropor, Styrodur oder andere Hartschaummaterialien verkleben, ist das Anlösen des Materials, das man verkleben möchte, eher unerwünscht.

Insbesondere, wenn man Hartschaumplatten für den Landschafts- und Geländebau mit einander verklebt, ist es ein ungewünschtes Verhalten, wenn Klebstoffe dazu neigen, die verklebten Bauteile durch das Schrumpfen des Klebers zu verziehen. Diese Eigenschaft war übrigens beim Bau eines Mini-Dioramas der Anlass für mich, diesen Test der Klebstoffe für den Modell- und Landschaftsbau durchzuführen.

Die Geruchsbelastung ist bei allen von mir getesteten Produkten nach meiner Einschätzung sehr gering und damit problemlos.

Der Test

Für meinen Praxis-Vergleichstest habe ich Streifen aus Modellbau-Hartschaum (Styrodur), also extrudiertem Polystyrol, in einer Größe von 2,5 x 10 cm zugeschnitten. Das Material wird oft in der Landschaftsgestaltung, oft als XPS aus dem Baumarkt, verwendet. Aber auch als Polystyrol für den Bau von Gebäuden- und anderen Bausätzen kommt es zur Anwendung. So konnte ich die Eignung der Klebstoffe sowohl für die Landschaftsgestaltung als auch für den Modellbau beurteilen.

Diese Probenstücke habe ich mit den unterschiedlichen Produkten in einer in der Praxis üblichen Schichtdicke mit einem Pinsel aufgetragen. Anschließend habe ich sie trocknen lassen, bis sie „grifftrocken“ waren. Hier das Ergebnis meines Vergleichstests, wobei noch nicht alle Produkte getestet worden sind, so dass die Tabelle noch ergänzt werden wird.

Vergleichstabelle der Klebstoffe für den Modell- und Landschaftsbau

ProduktOffenzeitOberflächen-
auftrag
Oberflächen-
beschaffenheit
Reaktion mit
Kunststoff
Schrumpft
Material
boesner Acrylbinderlanggleichmäßigglänzendneinnein
boesner Holzleimlangungleichmäßig,
perlt ab
mattneinnein
Faller Plastikkleber
Kibri Plastikkleber
Lascaux Acryl Transparentlack-2 Mattlanggleichmäßig, glattglatt, mattneinnein
Lascaux Modelling Paste C Naturalsehr langgleichmäßig, strukturiertstarke Textur, mattneinnein
Ponal classic
Ponal Expresskurzgleichmäßigglänzendneinnein
Ponal Fix & Festkurzgleichmäßig,
mit Pinselstruktur
seidenmattneinnein
RTS Grasflock-Kleber cremigextrem langgleichmäßig,
leichte Pinselstruktur
glänzendneinnein
RTS Grasflock-Kleber Penextrem langgleichmäßig,
leichte Pinselstruktur
glänzendneinnein
RTS Sprühkleber Matt, flexibellangungleichmäßig,
perlt ab
mattneinnein
Vallejo Diorama FXsehr langgleichmäßig, strukturiertstarke Textur,
leicht glänzend
neinnein
UHU Alleskleber extrakurzleichte Pinselstrukturglänzendneinnein
UHU hartkurzglänzend, starke
Kunststoff-Anlösungen
glänzendlöst Kunststoffe anstark
UHU por

Fazit

Der Test zeigt, dass die Eigenschaften unterschiedlicher Klebstoffe für den Modell- und Landschaftsbau sehr verschieden sind. Das können wir für unsere Arbeit sehr gewinnbringend nutzen, sofern wir deren Eigenschaften kennen. Es bedeutet aber auch, dass wir nicht jeden Klebstoff für alle Aufgaben verwenden sollten. Sie alle haben ihre Vor- und Nachteile und sind nicht für alles geeignet, sollten also entsprechend ihrer Fähigkeiten gezielt verwendet werden.

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